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Meine Gedanken, Sorgen und Wünsche
July 03

Abbott Pace Race 2009

DSCF2002 Samstag, 20.6.2009 frühmorgens in Rapperswil. Reihenweise stehen die Mietvelos von Rent-a-Bike bereit für die Teilnehmer des diesjährigen Abbott Pace Race das, anders als in anderen Jahren, als Sternfahrt stattfindet. Von Aarau, Zürich und Rapperswil geht es nach Luzern. Zusätzlich findet noch eine innerschweizer Rundfahrt mit Start und Ziel in Luzern statt. Ich entschied mich für die “Bergstrecke” von Rapperswil nach Luzern. Ausgerechnet die weiteste und strengste Strecke! Mit einem normalen Bike hätte ich mir das nicht angetan. So viel meine Wahl auf einen Flyer, also ein Elektro-Bike. Aus zwei Gründen: Einerseits eben wie schon gesagt wegen der Streckenführung selbst, andererseits wollte ich schon lange mal so ein E-Bike ausprobieren.Ich war in guter Gesellschaft. Viele weitere Teilnehmer wählten genau gleich wie ich. Diese Sponsorenfahrt sollte, neben dem guten Zweck, vor allem auch Spass machen. Insgesamt nahmen 6 verschiedene Patientenorganisationen und Mitarbeiter des Sponsors Abbott daran teil. Patienten mit Morbus Crohn, HIV, Morbus Bechterew, Psoriasis, Rheuma und Adipositas. Ich hatte eine Doppelfunktion. Einerseits als Betroffener selbst, andererseits als Mitarbeiter und Mitorganisator des SVMB (Schw. Vereinigung Morbus Bechterew). Wie zu erwarten war, hatDSCF2015te die Gruppe Rapperswil-Luzern mit Abstand die wenigsten Teilnehmer von allen Gruppen. Wie schon erwähnt aus gutem Grund. Daher auch die grosse Anzahl von Flyers mit denen diese Steigung weit weniger anstrengend ist. Schon vor der Abfahrt ging der Kameramann des Schweizer Fernsehens auf die Leute los :-). Sophie, die Gruppenleiterin der Firma Abbott erklärte kurz den Ablauf und das Wichtigste, wo der Znüni und das Mittagessen ist :-). Auch die Funktionen des Flyers wurden zur Sicherheit noch einmal erklärt, da das Fahren damit schon etwas ungewöhnlich ist und einige Kniffe benötigt. Dann ging es auch schon los. Mit satten Tempo überquerten wir den Seedamm in Richtung Pfäffikon SZ. Schon jetzt setzten sich die Flyers unangefochten an die Spitze der Schindellegi war brutal, selbst mit Unterstützung. In DSCF2034Schindellegi dann mussten wir dann schon einen Zwangsstopp machen um auf die anderen zu warten. Sind wir nicht lieb :-)? Zusammen fuhren wird dann weiter bis kurz nach Schindellegi zum Znüni-Wagen der schon auf uns mit allerlei Getränken und Knabberzeug zum stärken wartete. Hier hatte ich dann mein erstes Interview in meiner Funktion als Vertreter des Vereinigung Morbus Bechterew, als Betroffener und DSCF2062natürlich auch als Teilnehmner. Zu meinem grossen Erstaunen verlangte der Kameramann allenernstes, dass ich Hochdeutsch redete! Hochdeutsch höre ich mich grausam an! Nicht zum aushalten! Aber gut, er wollte es ja so :-). Bis zum Mittagessen hatten wir noch ein gutes  Stück vor uns über Biberbrugg, Rothenturm bis hinunter zum Ägerisee. Sicher ein Highlight war die Strecke am Ägerisee entlang nach Unterägeri. Kurz und ich meine wirklich KURZ vor dem Mittagessen machte dann genau bei der allerletzten winzigen Steigung mein Akku schlapp! Und ich kann bestätigen, dass ein Flyer ohne Motorunterstützung bergauf schlicht nicht zu fahren ist. Höchstens man ist Profisportler oder gedopt, oder beides! Aber sonst hat man mit diesem äusserst schweren Fahrrad absolut keine Chance. Ok, was jetzt. Akku wechseln, auch wenn es nur noch 10 Minuten bis zum Restaurant sind, oder auf die Zähne beissen und dem winzigen Hang zeigen wer hier das Sagen hat. Ich hab mich für die zweite Möglichkeit entschieden. Aber nicht etwa aus sportlichem Ergeiz, Gott bewahre nein! Schlicht aus praktischen Erwägungen. Wegen den 10 Minuten mache ich mir keinen solchen Aufwand den Akku aus der Satteltasche zu kramen und ihn versuchen zu wechseln. Ich tat gut daran, wie sich später noch herausstellen sollte.

DSCF2071Endlich in Unterägeri und dem verdienten Mittagessen stand nichts mehr im Wege! Und was für ein Essen! Jeder Profisportler hätte sich wohl geweigert das zu essen was wir bekommen haben! Käseschnitzel mit Pommesfrittes! Und was für Portionen! Sportlich war allerhöchstens der Salat im Voraus :-). Aber es war total yammy! Die Gegend ist bekannt für ihre Gordon-bleu’s! Zurecht wie Gourmet sagen muss :-).
Zeit zum verdauen hatten wir praktisch keine. Der Zeitplan drängte uns schnell zum aufbrechen. Naja, wozu auch verdauen. Der letzte Abschnitt unserer Reise sorgte schon dafür, dass wir das Mittagessen wieder in Energie umformen! Aber zuerst kam der Akkuwechsel. Wie ich schon angedeutet hatte erwartete mich noch etwas Ungemach: Der Kameramann wollte den Akkuwechsel filmen. Warum auch nicht! Doch so sehr ich mich auch anstrengte ich brachte den Akku nicht aus seiner Halterung! Zerren, stossen, hämmern… nichts half. Bis mir jemand meinte, ich müsse zuerst mit dem Fahradschloss das Velo abschliessen. Erst dann ginge auch der Akkuwechsel! Äääähh, wie? Gut, logisch ist das ja nicht, aber es war der richtige Tipp. Endlich konnte ich den verbrauchten Akku herausnehmen und gegen einen geladenen austauschen. Der Kameramann hatte sein Bildmotiv :-).

Dann ging es von Unterägeri auf dem Veloweg, einem Waldweg, sehr steil hinunter zur Höllgrotte. Einer weltbekannten Grotte die jährlich Touristen aus aller Welt anzieht. Etwas gefährlich war die Abfahrt schon. Der Regen der letzten Tage hatte dazu geführt, dass sich der Splitt vielerorts zu kleinen Häufchen angesammelt hatte. Für Velofahrer nicht ungefährlich, vor allem wenn man im “Schuss” den Hang hinuntergedonnert kommt! DSCF2074Mein Tacho zeigte übrigens satte 45km/h :-). Richtung Zug wurde es dann endlich flacher und vor allem etwas gemütlicher. Nur die blöden Fussgänger störten :-). Viele fragten sich wohl, was so ein Tour de Suisse Motorrad inkl. Kammeramann bei einer solch kleinen Gruppe Velofahrer sucht! “Die Tour de Suisse isch im Fall neumed andersch! Händer eu verirrt?” So und anders tönte es oft vom Wegrand. Wir antworteten einfach, dass uns die heutige Tagestour zu kurz gewesen sei und wir einen kleinen Umweg machen wollten :-). So fuhr das Motorrad auch auf Wegen, auf denen ganz sicher keines erlaubt gewesen wäre. Ich dachte oft daran, wie lange es wohl dauert, bis uns die erste Polizeipatrouille anhält. Doch anders wäre es ja fast nicht möglich, die Tour umfassend zu filmen. Denn der grösste Streckenabschnitt war auf unbefestigten Strassen oder Velowegen. In Gisikon dann der letzte Zwischenhalt mit Verpflegung vor dem Ziel in Luzern. Hier stellte sich noch heraus, dass ich meine SBB-Tageskarte iiiiirgendwo verloren hatte! Aussgerechnet ich, der Mitorganisator verliert dieses blöde Abo! Und meine Geldbörse hatte ich auch nicht dabei. Aus Angst sie zu verlieren. Schon ironisch, oder? Nun, in Luzern hatte meine Kontaktperson der Abbott zum Glück noch ein paar auf Lager, ansonsten hätte ich ein kleines Problem gehabt wieder nach Hause zu kommen :-).

DSCF2083Die Stadt kam näher und DSCF2089der Verkehr nahm zu. Eingangs Luzern versperrten wir dann auch noch gleich eine ganze Strassenhälfte an einer Ampel, bei der wir auf die Nachzügler warteten, da wir geschlossen ins Ziel fahren wollten. Hehehe. Aber scheinbar hatten wir mit dem Kameramotorrad eine Art Freifahrschein, denn niemand beschwerte sich, sondern dachte wohl, dass müsse etwas wichtiges sein und es hätte schon seine Richtigkeit. Wir kamen in der Innenstadt Punkt 16:10 Uhr an. Samstags…. 10 Minuten nachdem die Geschäfte geschlossen hatten! Eine riesen Menschenmasse drängelte sich in der Altstadt und wir mittendrin. Mit einem Klingelkonzert bahnten wir unseren Weg durch die Shopper und Touristen bis wir am See angekommen waren. Einige dachten schon, dass Ziel sei jetzt nur noch wenige Meter weit entfernt. Hehehe, falsch gedacht! Es ging weiter am See entlang, Am Verkehrshaus vorbei und erst nach einem weiteren Kilometer zeigte mein Velocomputer genau 88km an! Hotel Seeburg! Endlich am Ziel!DSCF2091

DSCF2116DSCF2108Wir hatten es geschafft! Und obwohl wir diejenige Gruppe waren, die die längste und anstrengenste Strecke absolviert hatten waren wir doch tatsächlich die ersten die im Hotel Seeburg ankamen. Das überraschte und zusätzlich und wir gratulierten uns gegenseitig dass wir die Tour geschafft haben und das für einen guten Zweck. Nacheinander tröpfelten die weiteren Gruppen am Ziel ein. Die nächste Gruppe die es nach uns geschafft hatte war die Teilnehmer der Innerschweizer Rundfahrt. Darunter z.B. auch Meinrad (auf dem rechten Foto der erste von links). Er der unter einer äusserst schweren Form von Bechterew leidet und dessen Rücken eine sehr starke Krümmung aufweist und trotzdem teilgenommen hatte! Eine beachtliche Leistung! Ich war sehr beeindruckt und gratulierte ihm von ganzem Herzen zu seinem grossen Erfolg.

Nach so einer Tour DSCF2117 ist natürlich der gesellschaftliche Teil ein Highlight. So auch hier. Das Buffet das aufgebaut worden war sprengte alles! Die Auswahl war so riesig, dass ich bei der Auswahl zuerst schlicht überfordert war und mir zuallererst halt ein Gläschen Weisswein genehmigte :-). Ich der äusserst, aber auch wirklich äusserst selten Alkohol trinkt. Ich genoss den Wein in vollen Zügen. Doch  noch waren wir nicht komplett. Zwei Stunden zu spät traff dann auch die Gruppe Zürich-Luzern ein. Warum diese extreme Verspätung? Ganz einfach: Sie hatten sich verfahren und nahmen eine Strecke die weiter und steiler war als die die eigentlich vorgesehen war. Als kleiner Trost wurde dann als Berechnungsgrundlage diese Streckenlänge herangezogen als nur die vorgesehene 55km. So kann jede Patientenorganisation dank dieses kleinen Umwegs einen etwas grösseren Endbetrag erwarten der in die Kasse fliesst. Insgesamt wurde an diesem Tag eine Gesamtstrecke von 10’500km zurückgelegt und etwas über Fr. 38’000.— erradelt. Eine beachtliche Leistung! Es gab zum Glück auch keine Unfälle und keiner musste die Tour abbrechen. Selbst das Wetter zeigte sich an diesem Tag von der gnädigsten Seite. Hatte es am Vortag noch aus Kübeln gegossen, konnten wir am Samstag ein Idealwetter geniessen. Nicht zu heiss und nicht zu kalt. Genau richtig für eine Velotour. Erst als ich auf dem Heimweg war hielten es die dicken schwarzen Regenwolken wohl nicht mehr länger aus und liesen ihrem kühlen Nass freien Lauf. Mir war das egal. Mir tat vor allem der Arsch und die Beine saumässig weh. Auch die Kniegelenke schmerzen abartig. vor allem an der Seite. Naja, ich konnte mich ja noch am Sonntag erholen. Denkste! Vor lauter Schmerzen und Muskelkater konnte ich in der Nacht auf Sonntag praktisch kein Auge zutun! Montags dann im Büro hätte ich am liebsten ein diiiiickes Kissen auf den Bürostuhl gelegt! Es war gar nicht schön :-).

Aber alles im allem ein wirklich gelungener Tag mit vielen neuen Bekanntschaften und der Gewissheit, dass Muskeln ganz schön weh tun können :-).

June 23

Müdigkeit, für jeden etwas anders, manchmal auch eine Qual

Müde sein ist ja prinzipiell etwas schönes. Zumindest wenn man weiss, dass man am nächsten Tag ausschlafen kann oder man empfindet eine richtig schöne Bettschwere. Auch empfinden die meisten Menschen die Müdigkeit als grundsätzlich etwas Angenehmes. Doch es gibt auch eine andere Form der des “schlapp sein”, die nur einen kleinen Teil der Bevölkerung betrifft.Man bezeichnet diese auch als pathologische Müdigkeit oder “sickness behaviour syndrome”. Was ist das genau? Nun, am einfachsten ist es mit dem Zustand während einer Grippe zu erklären. Während dieser Zeit fühlt man sich geistig eigentlich einigermassen fit, jedoch empfindet man sich als physisch total abgekämpft, schlapp und ohne Antrieb. So fühlt sich diese Art des “müde seins” etwa an. Und ja genau: Ich leide daran. Es ist ein Symptom von Morbus Bechterew, welches leider immer noch viel zu häufig unterschätzt und auch von vielen Ärzten als nicht wichtig eingestuft wird. Was jedoch nach neusten Forschungen ganz falsch ist. Für viele Bechterewler ist dieser Teil der Krankheit derjenige der am meisten “stört”. Die Schmerzen kann man in den meisten Fällen mit Medikamenten unter Kontrolle bringen, aber die pathologische Müdigkeit ist bei den meisten während 24 Stunden präsent ohne dass man medikamentös etwas dagegen machen könnte. Sie ist einfach da. Jeden Tag, das ganze Jahr. Zwar ist der Schweregrad je nach Schub unterschiedlich, doch müde ist man immer. Mal mehr mal weniger schlimm. Die einen mehr die anderen weniger.

Wie muss man sich so einen Tag vorstellen? Nun, wenn am Morgen mein Wecker klingelt fühle ich mich oft wie gerädert. Fast müder als noch am Vorabend aber immer ohne jeglichen Antrieb. Das bleibt dann auch, zumindest bei mir, bis zum Mittag so. Nach dem Mittagessen wird es etwas besser und am Abend bin ich geistig noch einigermassen fit, aber körperlich komplett abgekämpft und ohne jegliche Energie und Antrieb.Wie bei einer Grippe eben. An Schlaf ist so nicht zu denken, obwohl dich das in so einer Phase eigentlich gerne tun würde. Eigentlich ein Paradoxon, stimmt. Dadurch, dass nur der Körper nach Ruhe verlangt, das Gehirn aber nicht auf Schlaf umstellt ist Schlaf zu diesem Zeitpunkt praktisch unmöglich. Der Körper sagt “Ja”, der Kopf meint “Nein”. Und wenn ich dann endlich irgendwann nach Mitternacht einschlafen kann ist es ein äusserst unruhiger Schlaf. So schliesst sich dann am nächsten Morgen der Kreis und es geht alles wieder von vorne los. Am Wochenende genügen mir acht Stunden Schlaf oft nicht um einigermassen fit zu sein. Es gibt auch schon mal Tage, da bin ich auch nach 12 Stunden “Schlaf” noch fast müder als davor. Doch es geht auch anders. Wenn ich am Weekend lange aufbleibe und z.B. so gegen 2 Uhr ins Bett gehe, schlafe ich wie ein Stein. Das kann sogar soweit gehen, dass ich bis zu 15 Stunden, mehr oder weniger am Stück schlafe. Oder anders ausgedrückt: Ich bin so schlapp, dass ich wie betäubt liegenbleibe und weiter schlafe.Selbst ein Hobby oder eine sonstige Tätigkeit die ich normalerweise sehr gerne mache und sogar zu diesem Zeitpunkt auch gerne machen würde hilft mir nicht aus diesem bleischweren Zustand. So ist das zumindest bei mir. Jeder Bechterew-Patient erlebt es etwas anders. Genau das macht es so schwer fass- und behandelbar.

Jeder kann sich vorstellen wie dies den Alltag einschränken kann. Nicht nur der berufliche, sondern auch der private Alltag gerät oft aus den Fugen. Im beruflichen Umfeld ist es für mich persönlich zwar weitaus weniger schlimm, weil wenn ich beschäftigt bin die Müdigkeit quasi nicht bemerke. Privat aber habe ich die grösste Mühe. Ich bin praktisch immer lustlos, schlapp und ohne jegliche Antrieb. So fallen viele private Termine aus, weil ich schlicht und einfach keine Energie und keine Motivation habe. Psychische Folgen zieht das dann auch noch nach sich wie z.b. Depressionen und emotionale Unausgeglichenheit. Freundschaften gehen in die Brüche oder man distanziert sich zu mir. Einfach weil sie es nicht verstehen können. Aus Unwissenheit. Für jemanden wie mich, der sehr sozial ist, ist dieser Umtand der schlimmste von allen. Die pathologische Müdigkeit ist dann auch bei den meisten Menschen völlig unbekannt und man unterscheidet nicht zwischen dieser und normaler Müdigkeit. Anfangs musste ich mir oft anhören: “Geh halt mal früher ins Bett”, oder “du bildest dir das nur ein, tu nicht so” und ähnlich Sprüche. Erst mit Studien die ich schwarz auf weiss zeigen kann wächst langsam die Akzeptanz. Es ist und bleibt aber für viele Mitmenschen ein irgendwie nicht so richtig fassbares “Phänomen”, da sie es sich selbst nicht vorstellen können. Erkläre mal einem von Geburt an blinden Menschen die Farbe Blau!

Die Wissenschaft ist sich auch noch uneins, in welchem Zusammenhang die pathologische Müdigkeit zu Morbus Bechterew steht, beziehungsweise wie sie entsteht und wechselwirkt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es zwar viele Vorschläge zur Bekämpfung dieses Symptomes gibt, jedoch keiner wirklich wirksam ist. Aufbaupräparate sind zwar auch eine Möglichkeit der Sache entgegenzuwirken, jedoch wirken sie bei vielen Patienten nur bedingt oder überhaupt nicht. Ich versuche mich auch gerade an solchen Präparaten. Geht ziemlich ins Geld :-). Im Moment kann ich noch nicht sagen, ob und wie stark ich eine Veränderung spüre. Red Bull habe ich natürlich auch schon in Massen versucht :-). Verleite mir aber gar keine Flügel. Nicht mal Stummelflügel! Frecheit sowas. Werde mich bei Gelegenheit beim Hersteller beschweren :-). Beim Parfüm Axe anno dazumal wurde in der Werbung ja auch versprochen, dass jeeeede Frau für diesen Duft alles tun würde :-)!

Ausdauersport half mir einige Zeit, doch scheinbar mache ich neuerdings etwas falsch, denn die Wirkung ist nicht mehr so stark wie am Anfang. Auch bei diesem Lösungsansatz sind sich die Rheumatologen ganzheitlich uneinig. Einige meinen, dass spezieller Ausdauersport ganz klar helfe, andere wiederum verneinen dies vehement. Daran sieht man, dass man noch nicht wirklich viel über dieses Symptom weiss. Bis vor einigen Jahren wurden Bechterew-Patienten die über diese seltsame Müdigkeit klagten als Simulanten oder Hypochonder abgetan und wieder sich selbst überlassen.

So verwundert es nicht, dass auch auch in der Fachpresse dieses Thema noch wenig Anklang gefunden hat. Oft nicht mal Vermutungen finden in der Fachwelt Gehör. Es ist alles einfach zu “schwammig”. Auch für die Pharmaindustrie ist dieses Thema relativ uninteressant. “Es gibt ja Aufbaupräparate oder ärztlich verschriebene Aufputschmittel. Problem gelöst”. Mag ja sein, doch Symptom Bekämpfung war noch nie eine wirklich gute Lösung. Gut, für die Pharmamultis sicher, denn so stellen sie sicher, dass der Patient möglichst lange von ihren teuren Medikamenten abhängig ist. Könnte er mit wenig Aufwand geheilt werden ist wirkt sich das natürlich negativ auf das Portemonnaie von Vasella und Co. aus. Vor allem aber wäre der Markt für die Pharmaindustrie zu klein, als dass sich eine aufwändig finanzierte Forschung lohnen würde. Denn so wie es aussieht ist dieses Symptom bis heute nur bei Morbus Bechterew-Patienten beobachtet worden. Man vermutet aber, dass es bei vielen oder allen Autoimmunkrankheiten auftreten kann wie Morbus Bechterew eine ist.

Update:

fontana420 Ein USZ-Forscher (Universitätsspital Zürich) Namens Adriana Fontana hat scheinbar herausgefunden, wie die pathologische Müdigkeit bei Bechterew- und anderen Autoimmun-Patienten entsteht! Es scheint so, dass körpereigene Zytokine die innere Uhr des Menschen ständig umstellt. Klingt zuerst einfach ist aber im Detail doch etwas komplizierter als es den Anschein hat. Normalerweise reagiert die innere Uhr unter Anderem auf äussere Einflüsse wie z.B. das Sonnenlicht. Dies ist zwar bei der abnormen Müdigkeit auch so, jedoch wird der äussere Einfluss ständig durch die willkürliche und ständige Einflussnahme Zytokinen auf die innere Uhr aufgehoben. Ein kleines Beispiel für’s bessere Verständnis: Steht man am Morgen auf, ist normalerweise auch die innere Uhr darauf eingestellt die Körperfunktionen hochzufahren und das Melatonin zu reduzieren das uns schlafen lässt. Ist diese Uhr so synchronisiert ist alles in Butter. Doch bei der pathologischen Müdigkeit kann es sein, dass z.b. 4 Stunden später die körpereigene Uhr plötzlich auf 23 Uhr umgestellt wird! Auf einen Schlag! Dann wird wieder Melatonin ausgeschüttet und das Schlafbedürfnis nimmt rapide zu. Etwas später kann sich die Uhr immer und immer wieder plötzlich umstellen und so den ganzen Hormonhaushalt durcheinander bringen. Plötzlich ist man etwa am Morgen so müde wie am Abend vor dem zu Bett gehen und am Abend ausgeruht. Man kann sich das auch so vorstellen also ob man jeden Tag mit dem Flieger in eine andere Zeitzone hin- oder zurück fliegt. Diese so entstehende “Unordnung” ist der Grund, warum diese abnorme Müdigkeit nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte! Sie kann zu ernsthaften Folgeerkrankungen wie z.B. Depressionen, Burnoutsyndromen usw. führen. Eine Möglichkeit sich daran zu gewöhnen oder dem z.B. mit Sport entgegenzuwirken ist nur von kurzer Dauer. Man ist der Müdigkeit schlicht hilflos ausgeliefert!

Doch dank den neusten Forschungsergebnissen aus dem USZ die die Funktionsweise entschlüsselt haben ist es möglich eine Therapie zu entwickeln. Mit ziemlicher Sicherheit wohl auf medikamentöser Basis. Trotzdem ein grosser Schritt für alle Autoimmun-Patienten die unter diesem äusserst belastenden Symptom leiden hin zu einem normalen Leben.

May 28

3 skrupellose Schläger werden gesucht.

Schon traurig, was heute so alles läuft. Heute wird aus Jux jemand verprügelt und danach macht man noch Witze darüber. Dumm nur, dass diese Nieten sich filmen liessen :-). Wer so saublöd ist, sollte auch noch für seine grenzenlose Dummheit bestraft werden. Denn dank des Überwachungsvideo vom Bahnhof werden diese drei jungen Schläger mit Sicherheit gefunden! Doch habe ich das dumpfe Gefühl, dass diese drei Möchtegern-Machos mit einer viel zu milden Strafe davon kommen. So wie immer! In einem Forum wird für diese A-Löcher eine unbedingte Gefängnisstrafe von 4 Jahren gefordert wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung. Nur… das Gesetz sieht das ja sicher wieder anders!

20min.ch: Zwei junge Männer im Alter von 19 und 20 Jahren schlendern kurz vor Mitternacht durch die Bahnhofunterführung im Bahnhof Kreuzlingen. Plötzlich tauchen zwei Typen auf und schlagen den Opfern brutal ins Gesicht. Ein Mann geht sofort zu Boden. Der andere hält sich länger auf den Beinen, während er von den beiden Angreifern mit Schlägen traktiert wird. Auf dem Video ist zu sehen, wie ein dritter Kumpan von den Geleisen her kommend, zur Prügelei eilt. Dort tritt er ohne zu zögern wie wild auf das wehrlos am Boden liegende Opfer ein.teaserbreit

Etwa während einer Minute schlagen die Prügler wie im Blutrausch auf die Jugendlichen ein. Schliesslich lassen sie von den Opfern ab. Die bleiben reglos links und rechts in der Unterführung liegen. Am Schluss rennen die Täter nicht etwa weg. Im Gegenteil: Sie laufen Arm in Arm, mit lachenden Gesichtern in Richtung Geleise.

Die Schläger sind nach wie vor flüchtig. Die unbekannten Täter dürften 170 bis 180 Zentimeter gross sein. Offenbar sprachen sie schweizerdeutsch und italienisch. Die jungen Männer wurden durch den Angriff verletzt. «Ob die Opfer ins Spital mussten und wie schwer die Verletzungen sind, möchte wir aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen», erklärt Daniel Meili von der Kapo Thurgau auf Anfrage von 20 Minuten Online.

Zeugenaufruf

Eine Überwachungskamera hat den Angriff aufgezeichnet. Wer Angaben zur Täterschaft machen kann, wird gebeten, sich beim Kantonspolizeiposten Kreuzlingen unter der Nummer 071 221 40 00 zu melden.

May 20

Bondage, die Geschichte

Es gibt viele unter meinen Freunden, die mich immer wieder fragen “Was ist eigentlich Bondage? Und woher kommt es?
Auf der Suche nach der Entstehung der heute als Nawa Shibari bekannten "Spielart" fand ich eine Vielzahl interessanter Artikel und Bücher, in denen ich auch immer wieder auf die Begriffe Kaginawa, Nawa jutsu und Hojo jutsu gestossen bin. Nawa jutsu und Hojo jutsu bezeichnen Kampfarten und Techniken, wie sie von japanischen Samurai und Ninjas (so wurden die "Geheimagenten" des Kaisers im mittelalterlichen Japan genannt, die mit Mordanschlägen oder Einbrüchen betraut wurden) angewendet wurden, um Gegner schnell kampfunfähig zu machen und daran zu hindern, wieder in den Kampf eingreifen zu können, ohne sie jedoch zu töten.
Damit wir dies etwas besser verstehen können, müssen wir ein wenig in die Geschichte, in die sehr grausame Periode des "alten" Japan, zurück gehen. In der Zeit zwischen 1534 und 1616 wurde das Ashikaga-Shogunat durch Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu gestürzt und sie beendeten die kriegerischen Auseinandersetzungen der Samurai-Familienclans. Durch die Einführung noch härterer Regelungen führten sie Japan langsam zu dauerhaften, inneren Frieden. Tokugawa Ieyasu war Gouverneur sowie einer der intelligentesten Männer innerhalb der Nobunaga-Partisanen und machte sich auf grausame Weise innerhalb kürzester Zeit zum mächtigsten Mann Japans. Er nahm den zwischenzeitlich durch die ständigen Kriege in Misskredit geratenen Titel eines Shogun wieder an und beseitigte die letzten Widerstände gegen sich in der Schlacht von Sekigahara im September 1600.
Drei Jahre später errichtete er das streng geführte Tokugawa-Shogunat und verlegte seinen Amtssitz nach Edo (dem heutigen Tokyo). Während seiner Regierungszeit entwickelten sich - auf seinen Befehl hin - extreme Foltermethoden. Während der 250-jährigen Herrschaft der Tokugawa-Shogune, auch Edo-Periode genannt, war aber das Seil nicht nur ein Werkzeug zum Fesseln und zur Sicherung Gefangener. Neben dieser Funktion wurde das Seil - auf Anweisung besonders von Tokugawa Ieyasu - auch wesentlicher Bestandteil der extremsten Foltermethoden dieser Zeit. Zu den bis dahin bekannten Foltermethoden wie der Kreuzigung, dem Aufspannen oder Aufhängen Gefangener an Seilen kamen Praktiken hinzu, wie Auspeitschungen, die Qual der Gefangenen durch das Aufbinden von schweren Felsbrocken mit Seilen oder äusserst brutale und schmerzhafte Fesselungen, bei denen Gliedmassen in verdrehter Haltung gewaltsam mit Seilen fixiert wurden. Hinzu kamen Formen der Fesselung, die den Gefangenen "aktiv" an Versuchen hindern sollte, sich von den angelegten Fesseln zu befreien. Dies geschah auf diese Art, dass die Fesseln so angelegt wurden, dass sie sich immer enger zogen, je mehr man versuchte sich daraus zu befreien. Dies konnte sogar bis zur Strangulation oder zur kompletten Abbindung einzelner Körperteile führen weil die Blutzirkulation unterbrochen wurde. Doch diese Techniken wurden auch anderweitig eingesetzt. So gibt es zeitgenössische Berichte wonach Krieger in ihren Unterkünften, z.B. in Herbergen, Prostituierte fesselten. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Es gab schlicht zu wenige Prostituierte für zu viele Krieger. Und damit ein Liebchen während der Nacht nicht einfach einen anderen Mann aufsuchen konnte wurde sie nach Shibari-Art gefesselt. So konnte der Krieger mit der Gewissheit einschlafen, dass seine Prostituierte auch am nächsten Morgen noch da war um ihn zu verwöhnen :-). Der Wahrheitsgehalt dieser Berichte ist aber nicht gefestigt, da diese Berichte nicht sehr zahlreich sind um wirklich als Tatsache zu gelten. Sicherlich war dies nicht alltäglich und bildete sicher nur eine Ausnahme.

Die Herrschaft des Clans der Tokugawa brach 1867 zusammen - das Ende der Edo-Periode - als sich der Handel aus Europa nicht mehr aufhalten lies und sich das abgeschottete Inselreich Japan nach Aussen hin öffnen musste. Der einsetzende kulturelle Austausch führte langsam zu einer Modernisierung des Landes nach westlichem Vorbild und brachte in fast allen Bereichen des alltäglichen Lebens Neuerungen und Veränderungen, die letztendlich, wenn auch sehr zögerlich, auch zum Verlust des Samurai-Standes führten. Die als Shibari bekannt gewordene Kunst des Fesselns geht eindeutig auf militärische und kriegerische Techniken zurück, auch wenn einige Quellen versuchen, den Ursprung des Shibari in die Nähe der "höfische Kultur" der Heian-Ära zu rücken und sie mit sexuellen Komponenten in Zusammenhang zu bringen. Dies belegt auch schon die Übersetzung des Begriffes Hojo Jutsu, welcher zudem eindeutig der Tokugawa-Ära zuzuordnen ist: "ho" kann mit "eine Person fangen/binden" übersetzt werden, was auch "tori" genannt werden kann. "jo" bedeutet "Seil" und wird auf Japanisch auch mit "nawa" oder "tsuna" bezeichnet. "jutsu" ist die Bezeichnung für "Fähigkeit/Kunst/Fertigkeit".

Doch wie steht dies im Zusammenhang mit Kaginawa? Kaginawa wurde der Umgang mit dem Seil genannt, welches überwiegend von den Kumogakure Ryu Ninjas verwendet wurde. Es hatte meist eine Länge von 6 bis 10 Metern und an einem Ende war ein Haken befestigt, welcher ein schnelles zusammenziehen des Seils ohne Knoten sicherstellte.
Es gab eine Vielzahl unterschiedlicher Techniken, deren Handhabung in weithin bekannten Schriften (Bansenshukai, Ninpiden etc.) beschrieben sind. In alten japanischen Aufzeichnungen (Makimono Shoninki) von 1682 ist die Anwendung des Kaginawa kurz und bündig mit folgender Aussage beschrieben: "Ein Kaginawa kann dazu benutzt werden, schnell hohe Hindernisse zu überwinden, eine Person schnell zu fesseln oder eine Tür zu verriegeln". Viele Kampfschulen, welche die Techniken des Kaginawa unterrichteten, hatten enge Verbindungen zum berühmten Ninja Hattori Hanzo Masashige (1541-1596). Hanzo Hattori ist weit über Japan hinaus bekannt, da er den Shogun Togugawa Ieyasu aus der Gefangenschaft feindlicher Gruppen befreit hat und bis zu seinem Tod am 4. Dezember 1596 als Leibwächter bei ihm gedient hat. Es ist nicht klar, ob die von Hanzo Hattori angewendeten Techniken des Kaginawa die Basis für die von Donnoshin Toshimitsu Masaki vor ca. 300 Jahren entwickelte Manrikikusari-Technik darstellt. Er war der Oberbefehlshaber des Tokioter Gefängnisses und erfand eine Vielzahl unterschiedlicher Arten, die Gefangenen mit Hilfe der Manrikikusari-Technik zu quälen und zu foltern. Die Manriki Kampfschule lehrt auch heute noch die Techniken von Dannoshin Toshimitsu Masaki im "alten" Tokio. Aus dieser Ära ist auch eine Abwandlung des Kaginawa bekannt, bei der sich am Ende des Seiles anstelle des Hakens eine eiserne Öse befand.

Im Lauf der Zeit flossen auch gesellschaftliche Elemente der damaligen Zeit in die Kunst des Fesselns ein. Unter anderem wurden verschiedene Regeln zur Farbgebung erdacht, deren Inhalte im Verlauf der wechselhaften japanischen Geschichte auch verschiedenen Änderungen unterworfen waren. Zum Einen waren esoterische Regeln im Gebrauch, denen zufolge die Seilfarbe mit Jahreszeiten, den aus China übernommenen taoistischen Elementen - der sogenannten "Fünf-Elemente- Lehre" - und den mythologischen Wächtern der Himmelsrichtungen, in deren Richtung der gefesselte Gefangene zu blicken hatte. Zum Anderen richteten sich die Farben der Seile nach gesellschaftlichem Stand und eine dritte Regel orientierte sich beim Anlegen der Fesseln an der Schwere des vergangenen Verbrechens des Gefangenen.

Mit Ende der Edo-Periode verschwand auch langsam die militärische Anwendung des Hojo jutsu, sollten dann aber später erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der erotischen Fesselkunst in Japan nehmen. Durch den Einfluss der "Moderne" aus westlichen Staaten in Japan machte das Land verschiedene Phasen von Veränderungen und Entwicklung durch und bis zum Ende des zweiten Weltkrieges spielte die "Kunst mit dem Seil" in Japan eine untergeordnete bzw. überhaupt keine Rolle. Erst nach dem Krieg und den damit zusammenhängenden Aufbauarbeiten wuchs das Interesse der Nachkriegsjapaner wieder an der Fesselkunst, stark ausgelöst durch den Einfluss von Europa und nicht zuletzt durch das Bekanntwerden der Geschichten des Marquis de Sade in Europa. Und da die Verwendung bisher genutzter Begriffe als "altmodisch" galt, entstand zu diesem Zeitpunkt auch der heute bekannte Begriff Shibari bzw. Nawa Shibari. Dabei teilte sich die "Szene" relativ schnell in zwei Lager, die unterschiedliche Ansichten vertraten. Die "Traditionellen" legten besonderen Wert auf die Beibehaltung bestimmter Formen und Fesselmethoden. Dies kann man im Prinzip mit der Choreographie einer Teezeremonie oder der einer Kata beim Karate vergleichen. Ausserdem wird von dieser Gruppierung jeglicher Gebrauch von künstlichen Materialien bei der Erstellung eines "Shibari-Kunstwerkes" kategorisch abgelehnt. Das gesamte Ambiente sollte möglichst natürlich sein und meist bildet traditionelles, japanisches Interieur den Hintergrund der Shibari- Performance.
Somit sind auf entsprechenden Fotografien sehr oft Reispapier- Paravents und Tatami-Matten zu sehen und meist werden die Performances von leiser, dezenter Hintergrundmusik und dem Abbrennen von japanischen Räucherstäbchen (Kau) begleitet.
Zum Fesseln und Binden verwenden die traditionell orientierten Künstler auch meist ausschliesslich die “asanawa” genannten japanischen Naturfaserseile aus Hanf oder Jute. Dem gegenüber stehen die "modernen" Shibaritai - wie die "Künstler mit dem Seil" auch genannt werden - und sind in der stilistischen Variation der Fesselung, bei der Wahl der Umgebung und der Wahl der Materialien "flexibler" und damit etwas weniger kulturorientiert. So können neben Kunstfaserseilen durchaus auch Leder- oder Lackmaterial zu Einsatz kommen und selbst Bondages mit Ketten sind dabei anzutreffen. Da auch bezüglich der Location und Ambiente bei den Anhängern des modernen Shibari weniger traditionell umgegangen wird, sind auch Sessions im Freien genau so üblich wie das Einbeziehen von Gegenständen. So findet man auf entsprechenden Abbildungen z.B. das kunstgerechte Binden auf einem Strafbock oder das Fesseln an Stühlen, Tischen und anderen Gegenständen.

Im Lauf der Jahre haben sich dann manche Shibaritai in noch weitere Richtungen entwickelt, die heute als Sonderformen des Shibari bezeichnet werden und auch allgemein anerkannt sind. Zu den heute bekanntesten Abwandlungen gehört zum Beispiel die Form der Selbst-Bondage (Selfbondage) oder auch “Mummification”. Eine andere, weit verbreitete Sonderform ist in Bildern zu sehen, in denen der Künstler nur vollständig bekleidete Modelle - sei es in normaler Strassenkleidung oder im traditionellen Kimono - gefesselt zur Schau stellt. Diese Art des Shibari findet man heute überall in Japan und die meisten Perfomances werden mit bekleideten Frauen gemacht.

Westliches Bondage vs. Östliches Bondage - was ist gemeint? Wenn vom "östlichen Bondage" gesprochen wird, ist damit die Methode des "Japan Bondage" (Shibari) gemeint. Schon während der kriegerischen Anwendung der Fesseltechnik wurde darauf geachtet, dass mit der Bondage - egal wie brutal oder schmerzhaft es angelegt wurde - eine gewisse Ästhetik verbunden war. So wurde z.B. darauf geachtet, dass die Seile möglichst symmetrisch über den Körper verliefen und damit ein gewisses "Kunstwerk" geschaffen wurde. Diese Denkweise hat sich mit dem Einzug des Bondage in den erotischen Bereich noch deutlich verstärkt und neben dem Ziel der Immobilisierung und der Lust- oder Schmerzreizung des "Opfers" stellt der optische Eindruck einen enorm hohen Stellenwert dar. Im östlichen Bondage ist auch die Namensgebung der Figuren, Knoten usw. bedeutend. Jede Figur hat hier einen Namen. Zum Teil sogar einzelne Knoten von denen einige an vorgeschriebenen Orten platziert werden müssen. Dort und nirgends anders.

2007_11_02_captive2 Etwas anders sieht dies aus, wenn vom "westlichen" - oder modernen - Bondage gesprochen wird. Ursprünge dieser Art des Fesseln geht auf die Geschichte Amerikas zurück und hat schlicht und einfach die Immobilisierung des "Opfers" zum Ziel. Dabei soll dies schnell gehen - also mit wenig Aufwand - und zweckmässig sein. Teilweise sind gewisse Einflüsse des östlichen Bondage zu beobachten und so findet man häufig Aufnahmen von Fesselungen, bei denen der östliche Einfluss deutlich erkennbar ist. Aber auch wenn es z.B. um Hängebondages geht, werden Stile der östlichen und westlichen Formen der Fesselung gelegentlich in einer Mischung eingesetzt, ohne dabei wiederum grossen Wert auf die Optik zu legen. Hier steht die Zweckmässigkeit eindeutig im Vordergrund. Optische Einflüsse spielen somit beim westlichen Bondage eine deutlich untergeordnete bis gar keine Rolle. Und im Gegensatz zum östlichen Bondage wird meist auch kein Wert auf besondere Materialien gelegt, so dass vom Hanf- oder Baumwollseil (wobei dieses eigentlich ungeeignet ist, da es zu flexibel ist und abschnüren kann) über Tape und Isolierband bis hin zu Handschellen alles Verwendung findet, was der schnellen, unkomplizierten Immobilisierung dienlich ist. Der sexuelle Einfluss ist im westlichen Bondage eine fast tragende Rolle. So spielt hier nicht einfach nur die Immobilisierung des “Opfers” eine Rolle, sondern unter anderem auch seine sexuelle Befriedigung. Es ist bekannt, dass Menschen die komplett immobilisiert sind, Reize viel stärker empfinden als sonst. Das “sich nicht dagegen wehren können” ist dabei der Grund. Orgasmen, vor allem bei Frauen, werden als viel stärker empfunden als wenn sie nicht gefesselt wären. Bekannt ist auch, dass bei Verlust eines weiteren Reizes, nämlich derjenige des Sehens, eine weitere Empfindungsverstärkung stattfindet. Voraussetzung für diese Reizverstärkung hier allerdings ein völliges gegenseitiges Vertrauen. Insbesondere in den Master. Nur wenn sich die gefesselte Person vollkommen dem Gefühl hingeben kann funktioniert das auch wirklich.

Im heutigen Japan ist Bondage natürlich nicht mehr eine Foltermethode, sondern eine anerkannte Kunstform. Man findet z.B. in Tokio massenweise Clubs in denen Bondage-Performances gezeigt werden. Als ich vor ein paar Jahren für etwas mehr als eine Woche geschäftlich in Tokio war wurde mir das sehr anschaulich bewusst. Es wird viel offener mit Bondage umgegangen als es hier im ach so aufgeschlossenen Westen der Fall ist. Ein Grund ist wohl, dass Shibari in Japan geschichtlich verwurzelt ist und somit die Akzeptanz höher ist als in andern Ländern. Solange die Models nicht komplett nackt sind, dürfen Bondage-Performances ohne grosse Einschränkungen gezeigt werden.

So, ich denke nun ist alles klar, oder? :-).

January 23

Mein Leben im Kurs :-) Teil 3

Gestern Donnerstag stand am Nachmittag wieder ein ausgedehntes Trainingsprogramm an. Im Fitnesszentrum der Uni Irchel war ich bis jetzt noch nie. Dementsprechend musste ich mich zuerst etwas eingewöhnen und mich zurechtfinden. Die Anlage ist riesig und die Geräte auf dem allerneusten Stand der Fitnesstechnik. Ich war ziemlich beeindruckt. Aber noch etwas beeindruckte mich an diesem Nachmittag positiv. Einer der beiden Trainer war eine hübsche, kleine, blonde Naturschönheit. Die die mich etwas besser kennen wissen, dass ich überhaupt nicht auf Frauen stehe, bei denen man das Gefühl hat sie hätten ihren Kopf in einen Farbtopf gesteckt. Ungeschminkte oder zumindest noch dezent geschminkte Frauen sind eher mein Fall. Darum gefiehl mir die Trainerin auch auf Anhieb. Sympathisch, kompetent und einfach ein Schatz :-).Und wieder war ich hin und weg. Diesem Kurs habe ich bis jetzt schon manchen wohltuhenden Testosteronausstoss zu verdanken :-). So war für mich dieses Training dann auch noch angenehmer als sonst. Männer halt :-). Wir sind einfach so. Bei der Vorführung der neuen Geräte musste ich mich wirklich konzentrieren, dass ich den Erklärungen folgen konnte! War echt nicht leicht, obwohl ich mir ganz ehrlich alle Mühe gegeben habe, hihi. Die Männer unter den Lesern wissen wie das ist *hust*!

Die nachfolgenden Entspannungsübungen hatte ich dann auch bitter nötig. So entspannt war ich schon lange nicht mehr. Das sollte sich aber ziemlich schnell ändern. Denn auf dem Nachhauseweg am Bahnhof Stadelhofen sah ich, dass ich nicht wirklich der einzige war, der auf die S5 wartete. Als der Zug dann langsam angetuckert kam, erhärtete sich dieser Verdacht dann endgültig :-). Schon jetzt standen sich die Menschen gegenseitig auf den Füssen! Und ich und die anderen Wartenden wollten ja auch noch rein! Toll! Es ist wieder einmal zwangsweises Gruppenkuscheln angesagt und ganz sicher weit und breit kein Sitzplatz in Sicht! So war es dann auch. Ausgerechnet nach einem harten Training konnte ich nicht gemütlich sitzen und die Entspannung weiter geniessen! Etwas genervt stand ich im Gang der S5 und versuchte, anstatt mich aufzuregen, auf angenehmere Gedanken zu kommen. Man machte es mir aber gar nicht leicht. Mein Gangnachbar meinte, er müsse mit seinem Handy das gesamte Abteil mit seiner Sido-Musik unterhalten! Ich hätte ihm am liebsten sein sch**** Handy dorthin gesteckt wo nie die Sonne hinscheint! Musik an und für sich geht ja noch, aber Sido dieser Spasti?!? Neee danke das war zuviel für mich und die Entspannung wich schlagartig einer mehr als unangenehmen, angestrengten Anspannung! Der Tag hätte soooo schön enden können. Aber nöööööö!

Heute morgen dann, so um vier Uhr merkte ich dann auch das Ergebniss des Trainings als ich aufwachte: Muskelkater in den Armen! Doch nicht nur dort! Ich glaube jeeeeder einzelne Muskel hatte beschlossen solidarisch mit den Oberarmmuskeln einherzugehn und alle muskelkaterten mit! Geiles Wort: muskelkaterten :-).

So und heute Nachmittag steht gleich nochmals ein Fitnessprogramm von 3 1/2 Stunden an. Davon aber später *gähn* *sichstreckt*. Wird ein schmerzhaftes Weekend :-). Wo bleibt meine Masseurin!!?? *motz*.



 

Ich

Michi

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Kleiner "gnom" :-)) ca. 165cm klein, die Haarfarbe wechselt öfters mal :-)
Vielen Dank für den Besuch!
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^^ und die zweite auch: liebe Neujahrsgrüße.
Jan. 1
Darf ich als Erste? das ist schön, Dropi, danke für deinen Kommentar:  - das macht das Apophysis-Programm; ich gucke bloß, ob ich etwas in den zufällig errechneten Fraktalen entdecke, das meiner Phantasie und Gefühlslage entspricht. Versuchs mal selbst. Das Programm gibt es zum > Gratis-Download und es macht wirklich Spaß. Das Speichern ist etwas umständlich, ich machs mittlerweile per screenshot, weil ich das "Rendering" nie benutze, dann geht's viel schneller. Bitte laß mich Bilder sehen :D Liebe Grüße.
Dec. 16
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